Nonnenspiegel

(hhw) Wenn's um die Fasnacht geht, ist schnell Schluss mit lustig. Vor allem, sobald die Kirche mit in die Bütt steigt. 2009 war mal wieder ein Motivwagen des MCV der Aufreger der Kampagne. Der MCV, das ist der Mainzer Carneval-Verein1838 e.V ., in der Fasnachtshochburg wahrlich eine Institution. Dieter P. Wenger, seit langen Jahren Gestalter politischer Motivwagen zum Mainzer Rosenmontagszug, hatte die Nacktscanner aufs Korn genommen. Zielgenau und treffsicher, wie wir es von seinen Karikulpturen kennen, den dreidimensionalen Spötteleien.

Wir erinnern uns: Da gab es EU-Pläne zur Einführung von Scannern, mit denen man Flugpassagiere bei der Kontrolle bis auf die Haut durchleuchten kann. Und so sah Wengers plastischer Cartoon aus: Zwei Polizisten begaffen da eine Nonne, die mit finsterem Blick hinter einem solchen Nacktscanner ausharrt. Dieser zeigt die Glaubensfrau barbusig, bestrapst und in knappen roten Höschen.

Keine Frage: Ein bissiger Kommentar in Styropor auf Stahlgerüst. So schätzen es alle Fans der literarisch-politischen Mainzer Fasnacht. Er rechne durchaus mit einer Rüge des Vatikan, scherzte Zugmarschall Ady M. Schmelz noch gut gelaunt, als der Wagen der Presse vorgestellt wurde. Doch bereits am kommenden Tag überbrachte Generalvikar Dieter Giebelmann persönlich bittere Kunde: Seine Eminenz Karl Kardinal Lehman, Bischof von Mainz, war nicht amüsiert. Letztlich wurden die Brüste des Anstoßes schlicht mit einem Hinweis Bildstörung bedeckt. "Ich hätte lieber Zensur hingeschrieben", bemerkt Dieter P. Wenger pointiert.

"Die Schnüffelei des Staates in der Intimsphäre seine Bürger kennt ja kaum noch Grenzen", erklärt Wenger seine Motivation. "Und gerade die Figur der Nonne zeigt doch, dass da vor gar nichts mehr Halt gemacht wird."