Mehrzweck-Boppes

(hhw) Die wohlgenährte Dame wittert einen Skandal. Ein angetrunkener junger Mann zeigt sich ausgesprochen amüsiert: "Den Arsch kenn' ich doch!" Und der kleine Bengel, kostümiert als Batman, kriegt sich gar nicht mehr ein: "Guck mol, was en Boppes!"

Mainzer Fasnacht 2005. Der Motivwagen, der beim Rosenmontagszug gerade vorüberfährt ist ein Hingucker. Der damalige US-Präsident Bush hat die Hose runtergelassen, beugt sich vor, präsentiert sein pralles Hinterteil. Mit ausgebreiteten Armen eilt Bundeskanzlerin Merkel darauf zu. Thema: Die unkritische Haltung Merkels zum Irakkrieg. Dieser plastisch-drastische Kommentar war ganz nach dem Geschmack von Dieter P. Wenger: "Satire darf, ja muss den Mächtigen auf die Füße treten."

Nach einem Entwurf der Zugleitung des MCV, des Mainzer Carneval-Verein, hat Skulpturen-Profi Wenger mit seinem Unternehmen Inspiration den Knaller gestaltet und gebaut. Wenn er daran zurückdenkt, schmunzelt der Chefdesigner. Allerdings nicht in Erinnerung an all die aufgeregten Kommentare und Leserbriefe. Die gab es massenhaft, vor allem, weil rund zwei Wochen nach Rosenmontag ein Bush-Besuch in Mainz bevorstand. Eine weitere Pikanterie erheitert ihn immer noch: Bushs Hintern war ein Recycle-Po. Sogar ein germanischer.

Rückblende auf 2002. Der Motivwagen Erkennungsprofil: Brav zeigt der Deutsche Michel einem Zollbeamten seinen Nackten. Darauf prangt ein Barcode. Nun, diese biederen Backen wurden wiederverwertet. Geteilter Hintern - halber Aufwand. Und wahre deutsch-amerikanische Freundschaft.

2007 musste George W. jr. seinen Allerwertesten erneut hinhalten. Nach verpatzten Kongresswahlen wurde er in der Mainzer Fasnacht gleich nochmals Abgestraft und von der Freiheitsstatue kräftig verdroschen.